Naturschutz im Odenwaldkreis: Landschaftspflegeverband, Artenschutz und Wald

Landschaftspflegeverband für den Odenwaldkreis

Am 14. März titelt das Odenwälder Echo Das Ziel heißt: Artenvielfalt sichern.

Es geht um einen Landschaftspflegeverband für den Odenwaldkreis, der das gleichberechtigte Mitwirken von Landwirt*innen, Naturschutzverbänden und kommunalen Interessensvertreter*innen in einem Vorstand zum Ziel hat. Schon seit Längerem liegen die Planungen hierfür beim Odenwaldkreis.Um dem Vorhaben etwas Anschub zu geben, müsste die Idee für den Verband bereits jetzt in den Odenwälder Parlamenten thematisiert werden. Denn es ist eine wertvolle Institution, die sich neben dem Artenschutz auch der Pflege der Streuwiesen und Magerrasen widmet. Solche Flächen haben einen hohen Wert wegen ihres Artenreichtums, sind für die Landwirtschaft allerdings nicht rentabel. Für die Pflege könnten im Odenwaldkreis kleine landwirtschaftliche Betriebe beauftragt werden, die in der Landschaftspflege ein zweites berufliches Standbein finden. Eine Entwurfssatzung liegt bereits bei den Odenwälder Naturschutzverbänden bereit. 

 

Artenschutz

Martina Limprecht, Sprecherin des NABU Odenwaldkreis: "Wir brauchen für den Artenschutz eine klare Richtung. Wir verlieren derzeit an allen Ecken und Enden Biodiversität, etwa seltene Orchideen. Hier liegt so viel im Argen, was nicht so sein dürfte. Ein Biosphärenreservat Rhön ist auch aus einer Idee entstanden und es ist mit den Menschen in der Region gewachsen. Wenn wir weiterhin ständig über unsere Grenzen hinaus wirtschaften, werden wir weitere Verluste haben. Wir haben nur begrenzten Naturraum, der ist zu schützen. Mit den Streuobstwiesen stirbt ein Naturgut im Odenwald."

Es ist eine längst fällige Entscheidung zu treffen, nämlich die für den Natur- und Artenschutz. Und es ist eine Entscheidung, womit die Odenwälder*innen ihren persönlichen Stolz verbinden können. "Es geht um eine lebenswerte Region und wir achten auf sie."

 

Ökologische Ausgleichsflächen

Mit einer seit Jahren beständigen Nachlässigkeit macht der Odenwaldkreis bei der Nachverfolgung von Ausgleichsflächen von sich Reden. Harald Hoppe, Sprecher des BUND Kreisverband Odenwaldkreis erklärt, dass er bei Recherchen auf der Datenbank natureg  die Umsetzung von verpflichtenden Umweltschutzmaßnahmen überprüft. Nach Umsetzung von Bebauungsprojekten müssen abgeholzte Baumbestände, Heckenabrisse, Wiesenflächen oder planierte Streuobstwiesen ökologisch ausgeglichen werden. Fast 90 Prozent aller Festsetzungen im Odenwaldkeis werden ignoriert. Mangels Nachverfolgung und fehlender Sanktionierung wird sich voraussichtlich hier auch nichts ändern. Daher muss die Untere Naturschutzbehörde umgehend personell und finanziell ausgestattet werden, damit die Behörde arbeitsfähig ist.

 

"Was bewegt die Menschen, eine Maßnahme, die für die Natur verpflichtend ist, nicht zu tun", fragt Hoppe. In den Verwaltungen und Parlamenten des Odenwaldkreises sollte mit einem grundsätzlich anderen Verständnis in Sachen Umweltschutz agiert werden. "Die Wertschätzung für unsere natürlichen Lebensgrundlagen muss sich im Behördenhandeln widerspiegeln." Aber das erfolgt im Moment nicht.  

Landwirtschaft unterstützen

Die Odenwälder Landwirt*innen bewirtschaften die Hälfte der Fläche des Kreises. "Es reicht nicht aus, auf staatliche Fördermittel zu warten", sagt Hoppe. Vielmehr ist das Gespräch der Akteure erforderlich, die Verwaltung muss viel intensiver mit den Landwirt*innen im Gespräch sein. "Und die Fraktionen in den Kommunen haben darüber hinaus die Möglichkeit, Impulse anzuregen und Aktivitäten anzustoßen. Das Gespräch mit den Landwirt*innen schafft erstaunliche Kooperationen", weiß Hoppe aus eigener Erfahrung. "Da muss zu Projekten auf jeden einzelnen Hof gegangen werden, entsprechende Signale sind zu setzen und miteinander besprechen, was in dieser Richtung zu tun ist." 

EU-Wasserrahmenrichtlinie

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie müsste ganz hohe Priorität haben. Im Odenwaldkreis ist sie im Defizit, etwa bei der Gewässerrenaturierung oder im Hinblick auf den Biber. "Die Missachtung des Naturschutzes im Odenwaldkreis wird auch hier sichtbar. Maßnahmen sind mit sehr viel Aufwand verbunden, die UNB ist nicht handlungsfähig", so Limprecht. 

Blühwiesen

Ein Beispiel, wie Naturschutz vor Ort funktionieren kann, zeigen die Blühwiesen in Oberzent Beerfelden. Hier ziehen Naturschützer und Imker zugunsten der Artenvielfalt an einem Strang. Das Konzept ist, Verbündete in der Region zu integrieren. 

Wald

Der Wald leidet unter Trockenheit und darauffolgendem Schädlingsbefall. Der Grundwasserstand ist aufgrund von extrem heißen Sommern gesunken, Fichten sterben und die Buchenvitalitätsschwäche tritt deutlich hervor, auch aufgrund einer falschen Bewirtschaftung. "Wald ist nicht nur Wirtschaftswald, sondern auch Lebensraum", sagt Limprecht. Der Borkenkäfer zerstört nicht den Wald, sondern die Auswirkungen der Misswirtschaft der letzten Jahre. Der NABU Odenwald fordert, zehn Prozent des Staatswaldes und fünf Prozent des Kommunalwaldes stillzulegen. Übrigens: Kommunaler sowie Staatswald gehören der gesamten Gesellschaft. Am Beispiel des Nationalparks Bayerischer Wald macht Limprecht nachhaltige Regeneration deutlich. Es geht es um die Stabilität der zukünftigen Wälder und um den Wald als Bodenwasserspeicher. "Lassen wir es doch die Natur machen", appelliert Limprecht. 

Kommentare: 2
  • #2

    Petra Neubert (Montag, 01 März 2021 19:31)

    Lieber Herr Adam,

    uns allen wird heute deutlich, dass der Wald auf die Veränderungen des Klimas nicht mehr so reagiert, wie es uns die Forstleute seit Jahrzehnten gesagt haben. Die Förster sind zur Zeit auch eher ratlos, wie auf diese Veränderungen reagiert werden soll.

    Ich plädiere dafür, im Staatswald damit anzufangen, Forstwirtschaft künftig nicht mehr nur ökonomisch zu verstehen, sondern als Dienstleistung für das Klima - auf das wir ja alle angewiesen sind. Für Menschen, die ihren Lebensunterhalt durch den Wald beziehen, ist das eine Änderung, die sie überfordert. Hier müssen staatliche Hilfen eingesetzt werden.
    Ich bin davon überzeugt, dass wir nur gemeinsam unseren Wald so erhalten können, dass er seinen Beitrag für die Klimastabilisierung leisten kann.

    Die künftige Nutzung von Bäumen wird dadurch nicht abgeschafft, aber wir wollen die Vorherrschaft der Ökonomie bei der Forstwirtschaft beseitigen.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass angesichts des massenhaften Schadholzanfalls für die Waldbesitzer eine sehr schwierige Situation entstanden ist. Wäre dies möglicherweise zu vermeiden gewesen, wenn vor 80 Jahren die Aufforstung von gemischten Beständen erfolgt wäre? Dies ist jedenfalls eine Konsequenz, die ich als sehr sinnvoll für die Zukunft erachte.

  • #1

    Jürgen Adam (Samstag, 27 Februar 2021 20:00)

    Zu ihrer Aussage zum Wald möchte ich folgende Aussage machen. Die Wälder die im Moment vom Borkenkäfer dahingerafft werden wurden vor 70 bis 100 Jahren gepflanzt und es ist keine Misswirtschaft der letzten Jahre. Die Fichte bringt gleichmäßige Einnahmen, das kann man von allen anderen Baumarten nicht sagen. Jeder Dachstuhl wird mit Fichtenholz erstellt und wenn wir als Waldbesitzer nicht liefern dann tun es die Schweden und Finnländer. Wir verlegen lediglich die Produktion ins Ausland. Der Fehler liegt bei den Waldbesitzer die ihren Wald nicht in Ordnung halten und befallene Bestände nicht ernten oder ernten lassen.