Unser Wald ist unsere Energie

Auf meiner Landrätin-Tour durch den Odenwald spreche ich mit einem Fachmann zum Thema Wald und Energieversorgung, die Anbindung der kleinen Dörfer und über die regionale Versorgung.

 

"Nutze das, was du hast." Damit beginnt unser Gespräch. Es geht um die Wertschöpfung vor Ort. Kann der Odenwaldkreis tatsächlich bis 2030 energieautark sein? Ja, erklärt mein Gesprächspartner. Wir können den Landkreis und seine Einwohner*innen versorgen. Das geht, indem wir unsere nachwachsenden Rohstoffe endlich einsetzen. Wir reden von 2,5 Tausend Hektar Wald. Der Einsatz von Hackschnitzelanlagen bietet sich in unseren Breiten besonders an. Und  die Hackschnitzel punkten auch in der Wirtschaftlichkeit: Hackschnitzel kosten pro kWh 2,5 Cent, das Öl kostet 6,5 Cent. Die Vorteile liegen auf der Hand, heimischer Rohstoff, krisensicher, CO2-neutral, nachwachsend in den heimischen Wäldern. "Wir sind in der glücklichen Lage es machen zu können. Konzentrieren wir uns doch auf unsere Stärken", sagt mein Gesprächspartner. 

 

Wir haben ein großes Gemeingut im Odenwald, den Wald. Die Beförsterung ist wichtig. Durch die Trockenheit und den Borkenkäferbefall müssen wir große Bereiche wieder aufforsten. Das funktioniert mit Baumhasel, Lärche und Douglasie. Unsere Hackschnitzel können aus dem Käferholz gewonnen werden. Außerdem können wir das Restholz verwenden. Damit lösen wir Probleme vor Ort und schaffen neue Möglichkeiten für klimaneutrale Projekte. Ein Holzwerk steht direkt in der Region - das Holzwerk Grasellenbach, oder das Holz-Kraftwerk in Obrigheim. Wir könnten es in der Region für die Region anpacken. 

 

Machbar ist das alles über eine Genossenschaft oder über einen Zweckverband. Wir nehmen alle mit in den Verbund, es ist insgesamt vorteilhaft. Für mich ist diese Vision der energieautarken Region Odenwaldkreis schon eine klare Vision. Auch wenn die Umsetzung schwierig ist, weil wir Strukturen aufbauen müssen, stärken und stützen wir unsere Region nachhaltig. 

 

Wir reden über ein gutes Radwegenetz. Damit die Rotwildpopulation nicht beeinträchtigt wird, ist die Planung dieser Strecken gemeinsam mit der Jägerschaft durchzuführen. Und es sind endlich flächendeckende Stationen für E-Bikes zu schaffen. 

 

Damit die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch in den kleinen Ortschaften funktioniert, brauchen wir mehr Mitfahrbänke, Bürgerbusse und carsharing-Angebote. Mitfahrbänke, so erfahre ich, gibt es bereits in Kortelshütte und Sensbachtal. Wir leben hier auf riesigen Flächen mit wenigen Einwohner*innen. Schaffen wir Wählbarkeit auch abseits der Mittelzentren. Fragen wir doch die Leute: Was könntest du dir vorstellen? Wir werden Antworten bekommen. 

 

Die meisten Landwirte im Odenwaldkreis sind im Nebenerwerb tätig. Viele Milchviehbetriebe haben bereits aufgegeben, manche sind gerade dabei es zu tun. Ich höre, dass die fachliche Beratung für die Landwirte unbedingt verbessert werden muss und dass Praktiker fehlen, die vor Ort mit den Bauern reden. Entscheidungen werden ausgesessen. Hier brauchen wir neue Angebote, neue Konzepte. Für den Erhalt unserer Höfe im Odenwald wünsche ich mir mehr Zusammenhalt, mehr Gemeinsinn, eine Erzeugermolkerei mit Käserei, eine Genossenschaft für die Odenwälder Landwirte.

Nutzen wir das, was wir haben! 

Burgruine Freienstein, Gammelsbach Oberzent
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Pferdepension in Gammelsbach
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Kleine und sehr feine Hof-Käserei in Gammelsbach
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